Lieber Hartmut, lieber Walter…

Lieber Hartmut, lieber Walter…

nun bin ich zum ersten Mal seit 3 Jahren wieder für zwei Tage auf die Nutzung der Nahverkehrsverbundes Karlsruhe angewiesen.

Nach Abgabe meiner jüngsten Tochter beim Waldtag des Kindergartens und nachfolgendem, hektischen “Wohnung-soweit-auf-Vordermann-bringen-daß-meine-Frau-mich-heute-abend-nicht-sofort-erschießt”, sprinte ich also in ca. 15 Minuten zum Bahnhof und zum dortigen Fahrkartenautomaten.
Daß dieser offensichtlich für die Größenanforderungen hawaiianischer Zwergpinscher ausgelegt ist und meine Wenigkeit leider seit ein paar Tagen einen Hexenschuß hat, will ich mal nicht zu Eurem Nachteil auslegen. Auf Höhe meines Knies finde ich einen Knopf, der mir das Lösen einer Ein-Tages-Karte ermöglicht.

Flugs den Nummercode für mein Fahrtziel Karlsruhe (430) eingegeben – 7.80 €. Na, da wird’s heute wohl nichts mit dem Döner zum Mittagessen. Einen fangfrischen 20€ Schein aus der Tasche geholt und in den Automaten gefüttert. Dieser kaut eine Weile darauf rum und spuckt ihn wieder aus. Kein Problem, hab’ ja noch Zeit. Ich darf die Prozedur noch einmal von vorne beginnen. Knopf neben dem Knie, 430 tippern, Schein füttern. Automat hustet kurz und wirft ihn wieder aus.

Inzwischen gehen schon die Schranken am Bahnübergang runter – ich bleibe total entspannt. Blitzschnelle Folgerung, daß ein dritter Versuch wohl nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Flugs den Knopf “Einzelfahrkarte” (auf Höhe meiner, ähm, Hüfte) gedrückt. 430 tippern, 2 € einwerfen, klicker, druck’. Fahrschein kommt raus. Ich hechte unvorschriftsmässigerweise vor der heranbrausenden Regionalbahn über die Schienen. Kurzes V-Zeichen zum Zugführer, der bereits hektisch an seinem Nothalt-Schalter nestelte.

Einsteigen. Betrachte meine Fahrkarte:

KVV Einzelfahrkarte
von Rheinzabern
nach 3 Waben

Hmm. “3 Waben”. Kenn’ ich nicht. Eigentlich wollte ich ja nach Karlsruhe. Code 430. Ich kann lesen. Erstaunlich. “3 Waben”. Ich richte mich gedanklich auf intensive Diskussionen mit einem Fahrkartendienststellenkontrolleur ein und wende mich meinem iPhone zu. RSS-Feeds lesen. Klappt perfekt. Edge-Netzwerk. Supersach.

Umsteigen in Wörth. Ich bewege mich ächzend in die Unterführung. Der Sprint an den Bahnhof hat meinem Rücken nicht gutgetan. Muß zu Gleis 4. Ist aber leider nur Gleis 5 an der Wand angeschrieben. Da nach meinen Erfahrung nach 4 relativ nahe bei 5 liegt, geh’ ich trotzdem mal zu dem Schild und untersuche die beiden dort befindlichen Aufgänge einer genaueren Prüfung. Aha. Rechts nach Gleis 4, links rauf nach Gleis 5. Man ist ja flexibel. Oben finde ich dann auch noch einen nahen Verwandten meines Freundes, des Fahrkartenautmaten. 2min. Gleich mal checken, wie das mit dem Fahrtziel “3 Waben” ist. Ich finde zwar keine Information, wo “3 Waben” liegt, dafür aber einen formschönen Aufkleber, daß 20€ Scheine erst ab einem Fahrpreis von 9,90€ angenommen werden. Ich extrapoliere daraus, der Cousin in Rheinzabern deshalb meinen fangfrischen 20€ Schein nicht verdauen wollte. Hätte er ja im Display anzeigen können. Wollte er aber ned.

Fahre weiter in Richtung Karlsruhe. Hauptbahnhof Karlsruhe. Dort angekommen, ignoriere ich den leichten Uringeruch an Gleis 101, entscheide mich für eine Butterbrezel und unterziehe die dortigen Fahrkartenautomaten und die Aushänge einer genaueren Würdigung.
“3 Waben”. Aha. Hat wohl was mit Gültigkeitsbereichen der Fahrkarte zu tun. Es müsste also

a) neben dem Fahrkartenautomaten das Konzept der Wabe erläutert werden

b) auf dem Fahrschein nicht “nach” 3 Waben, sondern “Reichweite”, oder besser “Gültigkeitsbereich” heißen

Amazing. Nach 1h laufe ich im Büro ein. Wieder etwas schlauer geworden.

In diesem Sinne,

Eurer Hans Martin

P.S.: Ja klar hab’ ich mich blöd angestellt. Aber eine schöne Geschichte ist es doch.

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